Transponieren

Transponieren bedeutet, alle Töne eines Musikstückes um das gleiche Intervall zu verschieben.
So werden aus diesen Noten
Notenbeispiel in A-Dur
transponiert um einen Ton nach unten diese:
Notenbeispiel einen Ton tiefer in G-Dur

Transponierende Instrumente

Transponierende Instrumente sind Instrumente, bei denen ein anderer Ton erklingt als in den Noten steht. Bezug genommen wird hierbei auf den Ton C. Bei einer "Trompete in B" (oder auch "B-Trompete") erklingt also ein B, wenn ein C gespielt wird; ein G, wenn ein A gespielt wird usw.
Ein Instrument "in C" ist also ein nicht transponierendes Instrument!

Oktavierungen werden nicht berücksichtigt, d.h. die Angabe in A kann kann bei dem einen Instrument eine Sexte höher und bei dem anderen eine Terz tiefer bedeuten. Instrumente, die nur oktaviert spielen, z.B. Gitarre (klingt eine Oktave tiefer als notiert) oder Piccoloflöte (klingt eine Oktave höher als notiert) zählen nicht zu den transponierenden Instrumenten. Der Grund für diese Oktavierungen ist ausschließlich die bessere Lesbarkeit der Noten.

Transponierende Instrumente findet man (bis auf ganz wenige Ausnahmen) nur unter den Blasinstrumenten. Typische Vertreter sind Klarinette (in A, Bb, Es, D, usw.), Saxophon (in B und Es) und Horn (in F oder B).

Wichtig: Die Transponierung hat mit dem Instrument selbst nichts zu tun, sondern ist eine allgemeine Festlegung! Würde man sich entscheiden, die Altblockflöte transponierend zur Flöte "in F" zu erklären, müßte sich niemand eine neue Blockflöte kaufen. Stattdessen müssten alle vorhandenen Noten umgeschrieben werden!

Wozu transponierende Instrumente?

Die transponierenden Instrumente haben sich mit Verbreitung der temperierten Stimmung entwickelt. Durch diese wurde es nämlich möglich, auch in Tonarten mit vielen Vorzeichen sauber zu musizieren.
Leider konnten hier nicht alle Instrumente mithalten. Die Klarinette z.B. (damals noch ohne das heutige komplizierte Klappensystem) hatte sehr starke Probleme mit einer stimmlich korrekten Intonation der Halbtöne. Um diesen Problemen aus dem Weg zu gehen, baute man die Klarinette in verschiedenen Größen. Jede dieser Klarinetten konnte andere Töne sauber spielen und war damit spezialisiert auf bestimmte Tonarten.

Spielt man nun auf diesen verschiedenen Klarinetten den tiefsten Ton (erreichbar durch Schließen aller Grifflöcher und Klappen), erklingt bei jeder Klarinette ein anderer Ton, d.h. man erzeugt mit demselben Griff verschiedene Töne und hat dadurch umgekehrt für die gleichen Töne verschiedene Griffe.
Ein Klarinettist, der nun häufiger das Instrument wechseln soll, ist schnell verwirrt, weil er jedesmal umdenken muß. Durch die Transponierung wird nun festgelegt, daß gleiche Noten immer dem gleichen Griff entsprechen und dadurch der tatsächliche erklingende Ton von den Noten abweicht.
Pech ist allerdings, wenn man Noten für eine "Klarinette in A" spielen will, aber nur eine Klarinette "in B" zur Verfügung hat. Da muß man dann doch wieder selbst transponieren...

Beispiel: Querpfeife in verschiedenen Stimmungen

Die Sandner-Querpfeife ist ein Instrument, das es in verschiedenen Stimmungen und in verschiedenen Größen gibt.
Dabei klingt die Altflöte eine Quinte tiefer als die Sopranflöte, die Tenorflöte eine Oktave tiefer und die Diskantflöte (hier nicht dargestellt) eine Quarte höher als die Sopranflöte.
Die Griffe sind für alle Flöten gleich, egal welche Stimmung und welche Größe sie haben. Da die Altflöte einen Quintabstand zur Sopranflöte hat, muß die Stimmung der Altflöte auch ein Quinte tiefer sein als die Stimmung der Sopranflöte. Tenor- und Sopranflöte haben die gleiche Stimmung, die Sopranflöte erklingt aber eine Oktave höher. Ebenso hat die Diskantflöte die gleiche Stimmung wie die Altflöte. Stimmung B/Es heißt also, daß Sopran- und Tenorflöte in B sind, Alt- und Diskantflöte dagegen in Es.
Praktisch sieht das dann so aus:
(Mit "Notenbild" ist der Ton gemeint, den der Spieler in seinen Noten vorfindet, daneben stehen die Töne, die aber tatsächlich erklingen. Das ist natürlich bei jeder Stimmung ein anderer Ton!)
Instrument Griff Notenbild
 
Stimmung
C/F
Stimmung
Ces/Fes
Stimmung
B/Es
Sopranflöte alle Grifflöcher geschlossen d1 d2 des2 c2
Altflöte alle Grifflöcher geschlossen d1 g1 ges1 f1
Tenorflöte alle Grifflöcher geschlossen d1 d1 des1 c1

Wie man sieht, stimmt bei allen Instrumenten das Griffbild mit den Noten überein. Das ist für den Musiker sehr praktisch, denn er kann von einer Flöte auf die andere wechseln, ohne sich um die Griffe Gedanken zu machen.

Die Gedanken muß sich nun nämlich der Komponist / Arrangeur machen: Er muß genau überlegen, welche Instrumente in welcher Stimmung er einsetzen möchte. Je nachdem, welche Töne erklingen sollen, muß er die Stimmen entsprechend transponieren.

Möchte man z.B. alle Instrumente unisono (=gleichklingend) spielen lassen, müßte das dann so aussehen:

Notenbeispiel unisono   Zu beachten ist, daß die Altflöte in einer anderen Tonart spielt, nämlich in einer Tonart eine Quinte höher, oder im Quintenzirkel eine Tonart weiter im Uhrzeigersinn. Das bedeutet, daß bei Kreuztonarten die Altflöte ein Kreuz mehr hat, bei B-Tonarten ein B weniger.

Die Variante, daß das Alt-Instrument einer Instrumentenfamilie eine Quinte tiefer erklingt, gibt es sehr häufig, besonders typisch ist die Kombination B/Es (z.B. Sopran- und Tenorsaxophon in B, Alt- und Bariton-Saxophon in Es).

Aber Achtung: Instrumente verschiedener Stimmungen (z.B. Ces- und B-Flöten) können trotz gleicher Noten nicht ohne weiteres zusammen spielen. Hier muß eine Seite entsprechend transponieren! Speziell beim genannten Beispiel kann das haarig werden, denn es bedeutet, daß eine Gruppe genau einen Halbton höher oder tiefer spielen muß und das bedeutet seeeehr viele Vorzeichen...

Blockflöte (nicht transponierend)

Instrument Griff Notenbild klingend
Sopranflöte 1. und 3. Loch bedeckt c2 c3
Altflöte obersten vier Löcher bedeckt c2 c2
Tenorflöte 1. und 3. Loch bedeckt c2 c2
 

Als Vergleich hierzu einmal ein ähnliches Beispiel eines nicht transponierenden Instrumentes, der Blockflöte. Auch hier klingt (wie bei der Querpfeife) die Altflöte eine Quinte tiefer und die Tenorflöte eine Oktave tiefer als die Sopranflöte. Die Sopranflöte wird wie die Sopran-Querpfeife oktaviert notiert.

Hier sieht man, daß Noten und Klang immer übereinstimmen (von der Oktavierung der Sopranflöte mal abgesehen), jedoch müssen für die Altblockflöte andere Griffe genommen werden. Genaugenommen entspricht der Griff der Altflöte immer dem Griff der Sopranflöte, dessen Klang eine Quinte höher ist (also hier ist der C-Griff der Altblockflöte identisch mit dem G-Griff der Sopranblockflöte).

Grundstimmung

Bei Blechblasinstrumenten wird als Grundstimmung der Ton bezeichnet, der unterster Ton der Naturtonreihe ist, die mit diesem Instrument durch Überblasen gespielt werden kann. Unwichtig dabei ist, ob der unterste Ton der Naturtonreihe selbst auch gespielt werden kann.
Dabei zählt die Naturtonreihe, die ohne Betätigung irgendwelcher Ventile oder ohne Ausziehen des Posaunenzuges erklingt.
Gemeint ist natürlich die Naturtonreihe, die tatsächlich erklingt, nicht die, die notiert wird.

Bei Holzblasinstrumenten ist die Grundstimmung der Ton, der durch Schließen aller normalen Klappen oder Grifflöcher entsteht, also praktisch der tiefste spielbare Ton.

Leider leider wird Grundstimmung und Transponierung eines Instruments gern in einen Topf geworfen, und auch die Grundstimmung mit "in F" o.ä. bezeichnet. Bei den meisten Instrumenten stimmen Grundstimmung und Transponierung auch überein, leider jedoch nicht bei allen.
Einige Beispiele:

  • die Standard-Posaune (Tenor) spielt die Bb-Naturtonreihe, ist aber kein transponierendes Instrument.
  • die Sopran-Querpfeife transponiert nach B, die Grundstimmung ist jedoch C! (s.o.)
  • Und leider wird zur Alt-Blockflöte auch gerne "Flöte in F" gesagt, obwohl es definitv kein transponierendes Instrument ist!
Welcher Begriff wie gedeutet wird, hängt oft auch von der Sichtweise (also vom Instrument das man spielt) ab. Ein Posaunist wird eher von der Bezeichnung der Grundstimmung überzeugt, während ein Klarinettist die Transponieridee verfolgt. Im Zweifelsfalle sind die Ohren zu benutzen.

Diatonische Instrumente

Diatonische Instrumente sind Instrumente, die nicht alle Halbtöne spielen können, sondern nur die Töne einer Tonart (oder evtl. einer zweiten "Nebentonart") hervorbringen, wie z.B. die Mundharmonika oder die Tin Whistle (die anderen Instrumente heißen übrigens "chromatische Instrumente" und sind heutzutage eindeutig in der Überzahl).

Die entsprechende Tonart wird durch einen Zusatz angegeben, z.B. Tin Whistle "in D-Dur". Zur vollständigen Verwirrung lassen manche den Zusatz "Dur" weg und dann heißt es eben nur Tin Whistle in D, obwohl die Tin Whistle kein transponierendes Instrument ist.

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Seite erstellt: 18.09.2007, letzte Änderung: 03.11.2010